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„SCHIRN UP – KULT UP – KOONS UP“: digital und analog – Bloggertreffen und Tweetup

30. Juli 2012 | 7 Comments

 

„UP“ mit Dialog und Partizipation – das war das Motto der Schirn am 26. Juli 2012. Das Ausstellungshaus führte zwei Formate mit der Veranstaltung „MEET UP. TWEET UP. KOONS UP” durch: ein BLOGGERTREFFEN und ein TWEETUP. Via Twitter wurden Thesen und Eindrücke digital weitergeleitet und fanden rege Aufnahme im Netz. Und damit ist es noch nicht genug: Die Diskussion oder Bewertung wird in Blogposts noch fortgeführt werden. Man darf gespannt sein, wie die eingeladenen Blogger das Treffen einschätzen. Man darf aber auch gespannt sein, wie die Schirn damit umgeht. Erleben wir eine Bewertung des Treffens im Schirn Magazin? Sammelt sie die Blogposts und macht sie diese für die Öffentlichkeit transparent? Wenn ja, wie macht sie das? Listet sie die Verlinkungen zu den Posts auf, ähnlich wie sie es in ihrer Ankündigung zum Social Media Event gemacht hat und überlässt es damit dem Leser die Aktion für sich zu beurteilen? Oder fasst sie die einzelnen Beiträge zusammen, ähnlich der Vorgehensweise von Blogparaden? Nicht zu vergessen: Das SCHIRN MAG ist kein Blog, sondern ein Magazin und verfolgt damit ganz andere Zielsetzungen.

 


 

MEETUP – SCHIRNUP: Blogger, die wenig kontrollierbare Spezies

Welche Entscheidung auch immer getroffen wird, grundsätzlich gebührt der Schirn ein großes Kompliment für ihre Offenheit gegenüber Bloggern. Sie organisierte das erste Treffen dieser Art in Deutschland. Die Blogger durften sich vor Ort ernst genommen fühlen. Die Schirn wollte so erfahren, wie sie Bloggern begegnen kann bzw. was von ihr erwartet wird. Impulsvorträge von Mercedes Bunz und von Matthias Planitzer (Castor und Pollux) und die anschließende Diskussionsrunde thematisierten Folgendes:

  • Welche Bedeutung haben Blogs im Kunst- und Kulturbereich?
  • Treten Blogs aus dem Schatten etablierter Kunstmagazine hervor?
  • Wie können sich Kunst- und Kulturinstitutionen besser mit Bloggern vernetzen?

In der Tat ist die Beziehung von Bloggern und Museen noch zu klären. Jenni Fuchs konstatierte dazu in ihrem Vorbericht zum Meetup der Schirn: „that museums should “treat bloggers like rock stars” – eine Empfehlung der Museums Next Conference 2011. Was sich dahinter verbirgt ist höchst komplex und noch nicht zu Ende diskutiert. Eines ist jedoch klar: Blogger sind keine Journalisten im klassischen Sinne, die fakten- und ereignisgesteuert in ihrer Berichterstattung sind. Vielmehr berichten Blogger aus einer sehr subjektiven Warte, aus einem persönlichen Interesse, einer Laune, einem besonderen Anliegen heraus, so die vortragende Mercedes Bunz. Wichtig für die Blogger vor Ort war die Frage, ob sie für ihre Posts Fotos der Werke anfertigen und für ihren Bericht benutzen dürfen? Die Schirn erlaubt dies, wenn es im Vorfeld abgeklärt wurde. „Bilder sagen mehr als 1.000 Worte“ oder auch 140 Zeichen, wie das spätere Tweetup und die digitalen Reaktionen belegten. Die inhaltliche Bewertung überlassen wir den zahlreichen Bloggern vor Ort.
 


 
Ob Jürgen Fenns Wunsch Realität wird, zeigt die Zukunft: „Die eigentliche Frage, die sich in der Diskussion deshalb stellen sollte, ist, was Blogs dazu beitragen können, um dieses Riesenbusiness „Kunstbetrieb“ wieder menschlicher und damit kleiner zu machen und die Qualität wieder in den Vordergrund zu rücken.“

Die Schirn beabsichtigte mit ihrem Bloggertreffen nicht zu pitchen, sondern eine Beziehung zu den Bloggern aufzubauen, wie Christian Henner-Fehr sehr treffend in seinem Blogpost konstatiert: BLOGGER RELATIONS ist das Stichwort. Hierzu gibt es sechs Schritte, die von einer Institution zu beachten sind, wenn es ihr tatsächlich ernst mit den Blogger Relations ist: vernetzen – Ziele definieren – Strategie entwickeln – Influencer identifizieren – Zuhören & Monitoring betreiben – Beziehungen aufbauen und pflegen. Wie genau das funktionieren kann, wird vom Autor treffend beschrieben – ABSULUTER LESETIPP!

Wir möchten die Durchführung der Aktion und den Mehrwert der Nutzung von Social Media für Kulturinstitutionen näher beleuchten. Es gibt bestimmte Kriterien, die in der Organisation einer derartigen Veranstaltung zu berücksichtigen sind.

 

Etappen eines Social Media Events: Bloggertreffen und Tweetup

Es gibt drei Etappen und eine Vielzahl an Social Media Plattformen, die eingebunden werden, auch klassische Medien: Vorberichte – Veranstaltungstag – Nachberichte. Dazwischen liegt ein permanenter Informationsflow auf Twitter, Facebook & Co. Es wird auch jetzt noch eifrig getwittert. Denn sobald ein Blogpost als Nachbericht geschaltet wird, verbreitet sich dieser auf Twitter und den anderen Kanälen. Das Thema ist also über eine längere Zeitspanne um den Termin herum aktuell, bleibt im Netz erhalten und gewinnt dadurch an Nachhaltigkeit.

„Idealerweise beginnt die Kommunikation schon im Vorfeld auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken und findet in Blogkommentaren und persönlichen Gesprächen ihre kontinuierliche Fortsetzung“, so Ulrike Schmid in ihrem Post “Bloggertreffen und Blogger Relations” vor dem Event. Genau das ist eingetreten und setzt sich noch immer fort. Zahlreiche Blogger waren da, die bereits im Vorfeld berichtet haben, direkt danach und noch weiter berichten werden. Auch das Tweetup war exemplarisch. Es war das bisher größte seiner Art mit 50 Personen im Liebieghaus und 25 Personen in der Schirn – chapeau! Die Tweets blieben zwar zwangsweise am Anfang des Tweetups durch den weltweiten Twitterausfall aus.  Was aber dann einsetzte nachdem Twitter wieder on war, war große Klasse – die Finger flogen, die Bilder hinterher und das Netzwerk war begeistert.
 


 

Wünschenswert ist eine Dokumentation der Aktion. Hier lassen sich noch weitere Social Media Kanäle einbinden (bsp. Flavors me, Pinterest, rebelmouse, flickr). Das Tweetup wurde bereits auf Storify und in einem Blogpost von Teilnehmern dokumentiert. Auch das muss bedacht werden: Im Netz wird festgehalten, geredet und diskutiert – nicht nur auf Blogs, sondern auf der gesamten Social Media Klaviatur. Das Event bleibt also nachhaltig im Netz erhalten. Es kann somit darauf verwiesen, Entwicklungen und Abgrenzungen zu anderen Aktionen diskutiert werden. Die Aktion der Schirn wird immer wieder in den Fokus rücken. Reputation, Vertrauen und persönliche Bindung an die Kulturinstitution werden aufgebaut. Hier ist es für die Institution auch zentral ein Monitoring zu betreiben, zu schauen, was wird wie besprochen. Geht es um den Beziehungsaufbau zu den Bloggern, ist auch zu überlegen, ob die Blogposts kommentiert werden. Was macht Sinn und was nicht. Das zählt zur Strategie, die vorab von der Kultureinrichtung zu klären ist.

 

Kriterien zur Durchführung eines Social Media Events am Beispiel des KOONS UP der Schirn:

  • Einladung an Blogger
  • Vorberichtserstattung mit Zielsetzung im Schirn Magazin
  • sammeln und Verlinkungen der eingehenden Posts veröffentlichen
  • vor Ort: WLAN und Steckdosen zum Aufladen der Handyakkus – sehr wichtig!
  • Hashtag für Twitter festlegen und im Vorfeld kommunizieren:
    #schirnup für das Bloggertreffen – #kultup für den Tweetup
  • Informationsmaterial zur Veranstaltung an die Blogger (Pressemappe) – herzlichsten Dank für den Katalog zur Ausstellung!
  • Moderation auf Twitter – Institution sollte die Diskussion beobachten, um passend zu reagieren/moderieren
  • Information über Impulsvorträge an Blogger verteilen, auch per Email (ist erfolgt: sehr löblich –danke!)
  • Archivieren der Reichweite des Tweetups unmittelbar nach dem Event, da Spammer Zahlen verunklären können
  • Sammeln der Blogposts
  • Dokumentation der Aktion
  • Monitoring

 

Auch die Vernetzung der Museen vor Ort hat erfolgreich funktioniert. Unser Test – Städelmuseum, Liebieghaus, Schirn und das Historische Museum Frankfurt vor Ort vor der Veranstaltung anzuzwitschern, um auf die Reaktionen zu warten, hat hervorragend funktioniert. Alle haben sehr schnell und individuell geantwortet. Auch beteiligten sich die genannten Institutionen an dem Bloggertreffen und dem Tweetup via Twitter – sehr vorbildlich!

Merci für eine sehr gelungene Veranstaltung sowohl analog als auch digital. Danke, liebe Schirn für die Einladung und danke „KULTUP“ für das Tweetup. Danke auch an Pascal Heß, der äußerst lebendig durch die Koons Ausstellung im Liebieghaus führte – es war ganz großes Kino! Eine klare Empfehlung geht an „KOONS UP“ – absolut krass ist die Konfrontation seiner Skulpturen mit den alten Meisterwerken im Liebieghaus – wow!

 

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