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#JuKuSelfies – von der Amateurin zur „Selfinistin“

4. November 2015 | Add a Comment

Elena Welscher, 30, hat als wissenschaftliche Volontärin der Abteilung Kunstvermittlung daran mitgearbeitet, die Begleitausstellung „Selfies“ zum Projekt „Ich bin hier. Von Rembrandt zum Selfie“ der Kunsthalle Karlsruhe zu konzipieren und umzusetzen. In der Vorbereitung arbeitete sie mit Schulklassen zum Thema Selfies und hat dabei selbst neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Jugendliche Selfies nutzen. Mädchen machen zum Beispiel generell mehr Selfies, Jungs bevorzugen eher Gruppenselfies. Selfies werden als Kommunikationsmittel oft anstelle einer Nachricht versendet. Obwohl fast alle Selfies machen, gibt es große Unterschiede, wie sie darüber (vor allem mit Erwachsenen) sprechen möchten. Die Spanne reicht von zurückhaltendem Gemurmel und verschämtem Blick bis dahin, alle privaten Selfies zu zeigen und mit der Museumspädagogin ein Duckface-Selfie zu machen. Denn ja, das Duckface ist noch immer nicht aus der Mode …

Inzwischen ist Elena Welscher selbst überzeugte „Selfinistin“, wie an zahlreichen Selfies weiter unten zu sehen ist. Für die Blogparade #selfierade der Kunsthalle und der Kulturkonsorten schreibt sie hier über Ihre Erfahrungen.

Meine Erfahrungen mit der Selfies-Ausstellung in der Jungen Kunsthalle

#Selfie in der Pressekonferenz

Das perfekte Selfie?
Wie kann man besser eine Ausstellung über Selfies vorstellen, als einfach ein Selfie zu machen? Dieser Gedanke kam mir bereits im Januar, als ich auf der Jahrespressekonferenz das Projekt der Jungen Kunsthalle zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentierte. Damals hatte ich zwar selbst auch schon öfter privat Selfies gemacht, mich aber noch nicht eingehend mit dem Thema beschäftigt. Ich bat die Journalisten trotzdem, mir für ein Selfie von meiner ersten Pressekonferenz zur Verfügung zu stehen. Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema und etlichen Selfie-Terminen mit Jugendlichen warf ich zehn Monate später nochmals einen Blick auf das Selfie vom Januar und musste feststellen – das war ein richtiges Anfänger-Selfie! Von den Journalisten im Hintergrund sieht man nur wenig und auch das Licht wirkt kalt und unvorteilhaft. Ich nahm mir vor, es diesmal besser zu machen. Bei der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung am 29. November zückte ich meinen Selfie-Stick und bearbeitete das Bild im Nachhinein mit Filtern …

#Selfie vor Wols

Das Vermittlungskonzept
Die Ausstellung in der Jungen Kunsthalle widmet sich ganz dem aktuellen Phänomen der Selfies. Dies gibt uns die Möglichkeit, junge Menschen in ihrer Alltagswelt zu erreichen. Die Vermittlungsarbeit setzt allerdings bereits in der Ausstellung „Ich bin hier!“ an. Nach der Betrachtung der Selbstporträts im Hauptgebäude kann man sich in der Jungen Kunsthalle intensiv mit einigen der Werke und der eigenen Inszenierung im Selfie auseinandersetzen. Mit verschiedenen technischen Möglichkeiten, wie beispielsweise Selfie-Stick, Spiegel und Fernauslöser werden die technischen Grenzen des Mediums ausgelotet.

Das „Netz“
Selfies sind allerdings nicht einfach nur Fotos, sondern auch ein soziales Phänomen. Deshalb  können Selfies  in der Jungen Kunsthalle auch ausgedruckt und in Analogie zum Internet in ein reales „Netz“ gehängt werden. Diese Bilder können von den Besuchern mit kleinen Herz-Aufklebern gelikt werden und ältere Selfies verschwinden nicht einfach, sondern sind in einem Archiv weiterhin auffindbar. Dies gibt uns die Möglichkeit, die Mechanismen der sozialen Medien zu visualisieren und mit den Jugendlichen darüber ins Gespräch zu kommen. In der ganzen Ausstellung wird auf verschiedenen Ebenen – technischen und inhaltlich – die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen gefördert.

Blickwechsel
In der praktischen Arbeit wird die digitale Produktion mit analogen Techniken verknüpft, es kann also auch gedruckt, gemalt oder collagiert werden. Dies ermöglicht den ständigen Blick- und Medienwechsel.  Zudem stehen noch verschiedene Kulissen mit Fototapeten zur Verfügung. Hier ist interessant zu beobachten, wie sich die Selfies vor diesen „normalen“ Motiven (also im Vergleich zu Kunstwerken) nach der Auseinandersetzung mit der Ausstellung verändern. Die Jugendlichen gehen durch die Ausstellung, beschäftigen sich mit Kunst, Selbstdarstellung, der eigenen Identität, verschiedenen Medien und künstlerischen Techniken. Spannend zu sehen wird sein, mit welchen Selfies sie nach Hause gehen, wie sich ihre Motive, Gesichtsausdrücke und ihr Blick auf Selfies verändert haben. Unter dem Hashtag #JuKuSelfies können sie die Selfies auch auf Social Media Kanälen posten.

Tapeten1

Länderübergreifende Selfie-Workshops
Im Rahmen der Kooperation mit den beiden Museen aus Lyon und Edinburgh werden unter dem Titel „European Faces“ auch Selfies von Jugendlichen in der Begleitausstellung gezeigt, die in Kursen in den jeweiligen Museen entstanden sind. Darüber hinaus werden Ergebnisse aus einem von der EU geförderten Selfie-Workshop mit Jugendlichen präsentiert, der von drei Studentinnen (Anna-Maria Riccobono, Michelle Roberts und Johanna Wagner) der Kunstakademien aus Karlsruhe, Lyon und Edinburgh geleitet wurde.

#Selfierade – auch in der Jungen Kunsthalle
Wer sich die Hauptausstellung ansieht, sollte unbedingt auch selbst mit Smartphone und Selfie-Stick in der Jungen Kunsthalle tätig werden!  Wir freuen uns auf weitere Beiträge zur #selfierade – jegliche  persönlichen Eindrücke und Erfahrungen mit Selfies sind willkommen! Die bisherigen Blogposts mit Kommentaren legen wir ausgedruckt in der Jungen Kunsthalle aus – als Inspiration für die Besucher und zur Vertiefung in das Thema Selfies!

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