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Schüsselerlebnisse im sozialen Raum der Kulturkonsorten

28. Oktober 2012 | 3 Comments

@cogries: Schüsselerlebnisse sind quasi naturgemäß und permanent im Social Web. Stets gibt es eine neue Plattform, ein neues Prinzip, eine neue Crowd, ein neues Vergessen zu entdecken. Für mich: da gab es die große stARTschüssel 2010 in Duisburg, als sich Scharen kommunikationswilliger Jünger irgendwo in Stadtmitte Duisburg im Tempel der digitalen Vielfalt zu gemeinsamen Gebeten versammelten. Ruhrgebietserlebnis. Irgendwo hängt bei mir noch eine als Reliquie oder Trophäe verehrtes Lanyard rum. “Riding the Avalanche” steht da in prophetischen Worten. Herausforderung für die statischen Kulturbetriebe: kollektives Surfen im digitalen Raum. Und die Feuer der Verkündigungen senkten sich auf die Häupter der Versammelten und keiner blieb, wie er vorher war. Schüsselerlebnis. Schlüsselerlebnis.

@TanjaPraske: Schlüsselerlebnisse mit dem Social Web gibt es viele. Immer wieder gesellen sich neue hinzu. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es offen ist für Experimente. Nur merkt man das nicht grundsätzlich sofort. Währenddessen oder kurze Zeit danach dämmert es dann.

Schlüsselerlebnis Twitter: von Faszination zu Furor. Auslöser war die stART11. Faszinierte mich schon das Tweetup im Residenzmuseum, so hat mich der Furor Twitter in Duisburg tutti completti erwischt. Warum? Da sitze ich in einer Session neben @cogries, unsere Finger fliegen, ich konzentriere mich darauf zu hören und zu schreiben und ups, da werde ich auch noch angezwitschert: “Hach, cogries und tanjapraske im Doppelpack”. Der Twitterer saß gerade mal zwei Plätze von mir entfernt – verrückt – eine Parallelkonferenz. Wohlgemerkt, im November 2011 war ich noch Neuling, ich kannte das gar nicht und machte dann munter mit – Multitasking ahoi. Nebeneffekt der stART11 war aber auch, dass die “Müncher Fraktion” sich fand und kurze Zeit später war ich im Team der Aufbruch-Tagung und des stARTcamps München 2012. Duisburg, ein prägendes Schlüsselerlebnis also!

@art available: Dieses Schlüsselerlebnis teilen wir wohl alle, denn auch ich war auf der stARTconference 2010 eigentlich damals extra nur zum Vorprogramm angereist, in dem es spezifisch um Museen ging. Denn wir in Bayern sollten und wollten auch in Richtung Social Media aufbrechen, was fehlte war bislang Unterstützung, Wegweisung und Impulsgeber. Und der Wunsch den Funken und den „Schlüssel“ aus dem Norden auch im Süden in die Museumslandschaft hineinzutragen. Kurz gesagt, getan. Die erste „aufbruch“ Tagung war 2011 geboren, so der Name und die Hoffnung, dass der Ausspruch „nomen est omen“ auch hier zutreffend sein würde. Kurz, die Tagung war ein Erfolg. Einige der damaligen Teilnehmer lernte man näher kennen – insbesondere zwei …

Harald Link fiel mir insbesondere durch hartnäckiges Nachfragen per Twitter im Nachgang der Tagung auf… Es ging also per Twitter hin und her und als wir unseren 4. Tweetup in der Residenz München organisierten, da tauchte auch Harald auf. Geführt war der Tweetup vom Leiter des Residenz-Museums Christian Quaeitzsch und ja, Tanja Praske. Aus diesem Tweetup ergab sich viel Gutes, denn Harald und Tanja wurden schnell zum Teil der weiteren Tagungsorganisation und vor allem des stARTcamps, das 2012 zum ersten Mal im Anschluss an die Tagung in Bayern, in München, stattfand. Schließlich gesellte sich noch Marco Eisenack zu uns, der unsere Initiative bei der Pressearbeit kurz entschlossen im Vorfeld der Veranstaltungen unterstützte.

Heute sitzen wir oft zusammen, planen neue Projekte, lachen uns schlapp und erfinden ne Menge neuer Formate, Namen und spinnen herum. Mittlerweile haben wir nicht nur die Tweetups in Bayern etabliert, sondern es gibt das Format als „Kultup“ in Frankfurt und neuerdings auch als „Meetup“ in Berlin. Gerade sitze ich im Zug gen Frankfurt zum nächsten stARTcamp…darüber hinaus gibt es morgen Abend einen  Tweetup von Kultup in der Ausstellung „Die Schwarze Romantik“ im Städel.

Ich habe das Gefühl, dass wir in den letzen Jahren viel erreicht haben, so viel dass es 2013 sogar keine „aufbruch“ Tagung mehr geben wird. Denn nun kann es nach dem gelungenen Aufbruch, anders weiter gehen zusammen mit Christian, Tanja, Harald, Marco und all den anderen Weggefährten in ganz Deutschland der stARTConference, der stARTcamps…….

Organisatoren des stARTcamps München 2012

stARTcamps München 2012, Foto@Frank Tentler

@haraldlink: Aufbruch-Tagung. Aufbruch-Tagung? Zu was dieser Christian Henner-Fehr sich so alles anmeldet, dachte ich beim Klicken auf den Link in seinem Tweet.  Anfang 2011 muss das gewesen sein. In München??? Ja prima: Anmelden! Die bisherigen stART-Konferenzen hatten Lust auf mehr gemacht und mit einigen Teilnehmern (auch aus München) war ich seither in Kontakt. Via Twitter, aber nicht in RL – ein Witz eigentlich. München selbst war bis dato ein weißer Fleck auf der Kunst-Kultur-Social-Media-Landkarte. Dachte ich. Und jetzt: Pustekuchen. Da gibt es ja ein engagiertes Grüppchen, das etwas auf die Beine stellt. Das dafür sorgt, dass Kulturinstitutionen (endlich!) im 21. Jahrhundert ankommen. Es war dann übrigens eine sehr gelungene Veranstaltung, informativ, gut organisiert – ne runde Sache mit tollen Referenten, Organisatoren und Teilnehmern.

Lust. Auf. Mehr. Ganz eindeutig.

2011 dann wieder stARTconference, diesmal in Duisburg-Ruhrort, nicht mehr wie in den Jahren zuvor in der Mercator-Halle. Dieser wunderbaren Kirche trauere ich übrigens bis heute nach – was für ein genialer Veranstaltungsort. Shame on you, Haniel! Vertane Chancen im Dutzend-Pack. Was hätte daraus (gemeinsam mit stART) für ein kultureller, kreativer Nukleus für Ruhrort und ganz Duisburg werden können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Vorhang auf, nächster Akt. stARTcamp in Köln. Da war ich natürlich mit dabei. Bisschen Foto, bisschen Video, bisschen am stARTuniverse mitstricken. Und außerdem: Ich mag die Herbergsmütter. Und bin sowieso viel zu selten in Köln. Die Freude, viele stARTconference’ler wiederzusehen, war groß. Dort bin ich dann wieder Christian Gries aus München über den Weg gelaufen, einem der aufbruch-Macher. Für ein kurzes Gespräch war Zeit, er war schon wieder auf dem Sprung. Ob wir nicht mal versuchen sollten, so ein Camp auch in München zu organisieren? Wir waren uns da ziemlich schnell ziemlich einig, dass man das probieren müsste.

Danach ging’s schnell. Erneutes Treffen beim Tweetup im Residenz-Museum. Im Dezember fiel die Entscheidung, die aufbruch-Tagung 2012 um ein stARTcamp zu erweitern. Tanja und ich stießen zum Orga-Team.

Aus dem Team wurden – ergänzt durch Marco Eisenack – die Kulturkonsorten. Ein buntes Trüppchen lieber Menschen, die ich nicht mehr missen möchte. Ein Team, das einiges auf die Beine stellt und noch viele Dinge vorhat (für das Meiste davon gibt es schon eine reservierte Domain, aber das ist auch wieder eine andere Geschichte …). Wir planen neue Veranstaltungen und einzelne Aktionen – und dort, wo es sich anbietet, tun wir dies auch sehr gern in Kooperation mit all den anderen Initiativen, die sich mittlerweile in vielen Städten gegründet haben.

Ich freu‘ mich drauf!

@mucbook: @textbau: Ohne Social-Media keine Blogs! Als ich mit ein paar Kollegen der papierenen Süddeutschen Zeitung einen Ausflug ins Web unternahm, um mit Stadtblog mucbook zu experimentieren, war bald klar: Ein Blog ist ein schneller, ein schicker, ein billiger Kanal. Aber es ist ein Missverständnis, wenn Leute glauben, das Blog sei zugleich der Vertriebsweg. Einen Blog zu betexten und ins Netz zu stellen, heißt noch lange nicht, dass ihn dort jemand findet.

Ein Blog braucht einen Zusteller! Steckte früher der Zeitungsbote das bedruckte Papier in den Briefkasten, so setzt man heute ein Tweet ab, um die treuen Leser über die News zu informieren. Um jetzt das Schlüsselwort “Schlüsselerlebnis” an der geeigneten Stelle nicht zu verpassen: Mein Schlüsselerlebniss hatte ich nach dem allererste Blick auf die Klick-Statistik. mucbook war gerade ein paar Tage online. Wann immer wir vergessen hatten, den Blogtext zu twittern oder bei Facebook zu posten, war die Zahl der Leser unterirdisch niedrig. Wenn man dieser Posting-Pflicht aber nachgekommen war, eine gute Interaktion erreichen konnte oder von einem Alpha-Tier gezwitschert wurde, stieg die Zahl der erreichten Leser in einen Bereich, den man einstmals nur mit kostspieligem Marketingaufwand erreichen hätte können. Von diesem Schneeball-Effekt der Social-Media-Kanäle waren wir als sozialisierte Print-Journalisten blitzartig elektrisiert. Blogs wurden zu einem neuen Spezialgebiet unseres Journalistenbüros. Mit schönen Partnern wie dem  Jüdischen Museum München und der Villa Stuck.

Das war gut so: Denn nur dadurch bin ich wiederum Menschen begegnet, die ich sonst wohl nie kennengelernt hätte und mit denen ich offline viel zu wenig Zeit verbringe. Das gemeinsame Projektarbeiten auf den Plattformen der virtuellen Welt mit @cogries, @haraldlink, @art available und @TanjaPraske war ein weiteres Schlüsselerlebnis. Mit einem sehr sozialen Aspekt: Social-Media ermöglicht das Zusammensein mit Menschen, für die der Alltag sonst keine Zeit lassen würde.

Und wenn man also die Frage aufgreifen will, die @Theatercamp für seine Blogparade in den virtuellen Raum geworfen hat: “Das Erlebnis, das Euch von der Wirkung von Social Media überzeugt hat?” Dann kann man sagen: Überzeugt hat das Erlebnis, dass in den sozialen Medien nicht nur Projekte sondern auch Freundschaften entstehen können.

 

 

Filed in: Allgemein, Blogparade | Tags:

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