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„Tweetups” im Museum – Neue Formate der Kulturvermittlung

26. März 2013 | 3 Comments
Mai-Tagung 2013 "museums and the internet"

Mai-Tagung 2013 "museums and the internet"

Am 22. Mai 2013 sind die Kulturkonsorten bei der Mai-Tagungin Bonn (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland) dabei und referieren über „Tweetups” im Museum – Neue Formate der Kulturvermittlung”. Ergänzend dann am 23. Mai mit einem vertiefenden Workshop zum ThemaDie Kunst zu Twittern – Wie Sie einen Tweetup im Museum richtig planen”.

Twittern mit den Kulturkonsorten

Twittern mit den Kulturkonsorten

„Tweetups” im Museum – Neue Formate der Kulturvermittlung”
Zunehmend mehr Kultureinrichtungen nehmen ihre zwischenzeitlich über die sozialen Medien initiierten und entwickelten Communities ernst und suchen nach neuen Veranstaltungsformaten, die den digitalen und “realen” Raum miteinander verbinden. Ein derzeit erfolgreiches Format innerhalb dieser Konturen ist der sog. “Tweetup”, der in Deutschland erstmals 2011 von den Münchner “Kulturkonsorten” in einem Museum durchgeführt wurde. Je nach Veranstaltungsort, Ansatz und Kontext treffen sich dazu Twitterer in einer vorher verabredeten Kultureinrichtung und berichten über den Microbloggingdienst in Bildern und kurzen Texten live aus einer, gerne exklusiven, Veranstaltung. Außerhalb Deutschlands sind die Tweetups lange schon populär und ein anerkanntes Medium zur Kulturvermittlung und Reichweitensteigerung.

#schirnup @SCHIRN Kunsthalle Frankfurt, Foto Sascha Rheker (36)

Tweetup zur Ausstellung Jeff Koons 2012 @SCHIRN Kunsthalle Frankfurt, Foto Sascha Rheker (36)

Echte “Social Events”
Die Tweetups sind zunächst als Guerilla-Aktion entstanden und wurden als echte “social events” von den Teilnehmern in die Kultureinrichtungen “hineingetragen”. Zwischenzeitlich haben auch die Institutionen das Potential dieser neuen Veranstaltungsformate erkannt und laden offiziell zu Tweetups ein. Die unkomplizierten Events bieten kleinen und großen Einrichtungen besondere Chancen in der Vermittlung und erreichen in 60 Minuten schon auch einmal über 100.000 Menschen international. Dabei bietet das Format einem sehr breiten Publikum, keinesfalls nur den vermuteten “Nerds”, einen niederschwelligen Zugang zur Kultur. Gleichzeitig kann es kognitive Lernprozesse in der Auseinandersetzung mit einem Thema stimulieren und begünstigt die zusätzliche Streuung vertiefender Informationen und digital verfügbarer Kontextualisierungen.

Erfolgreiche Tweetups werden professionell begleitet
Um einen erfolgreichen Tweetup durchzuführen, suchen die Institutionen vielfach Nachhilfe und Unterstützung bei professionellen Initiativen wie den Kulturkonsorten in München, KultUp in Frankfurt oder MuseUp in Berlin. Getwittert wird seitdem aus Museen, Ausstellungshäusern, Galerien, Archiven, Theatern, Konzertsälen oder von Opernbühnen. Zuweilen sogar mehrsprachig bzw. international und mit deutlicher Wahrnehmung durch die klassischen Medien. Der nun schon andauernde Erfolg macht deutlich, dass diese neue Format funktioniert und immer entschiedener sein Publikum findet.

KutUp (8) im Theater Heilbronn zur Bühnenprobe der Oper „Minsk“ (UA)  Foto: B. Schmidt-Hurtienne/KultUp

KutUp (8) im Theater Heilbronn zur Bühnenprobe der Oper „Minsk“ (UA) Foto: B. Schmidt-Hurtienne/KultUp

Twittern im Theater
Was das “Fotografieren verboten” im Museum, ist im Theater die Aufforderung “Wir bitten Sie, Ihr Handy abzuschalten”. Tatsächlich haben aber auch die ersten Theater und Opernhäuser mit dem neuen Format experimentiert und spannende Erlebnisse geschaffen. Livekritik hat nun aufgefordert zur Frage “Via Smartphone live aus einer Kulturveranstaltung berichten – gut oder schlecht?” Position zu beziehen. Und, wen wundert’s, – wir sind natürlich vom Mehrwert überzeugt, den das Twittern aus dem Theater bringen kann! Mit einer Einschränkung: womöglich auch hier nur aus einem exklusiven Veranstaltungsformat wie eben einer Probe, einem Preview, einer Bühnenführung oder einem Künstlergespräch. Das leibhaftige “Theatertwittern” während einer normalen Vorstellung dürfte eher problematisch sein, sollte die Aktion doch weder den Ablauf der Aufführung noch die Konzentration des Publikums oder gar der Künstler beeinträchtigen. Selbst wenn man alle Twitterer in der letzten Sitzreihe platziert, dürften die hellen Screens der Smartphones und mobile PCs eher störend und das Getippe deutlicher als nur als “white noise” wahrzunehmen sein. Zudem stellt sich die Frage, was man mit dem Tweetup eigentlich erreichen möchte? Spannender als die zwangsläufig hilflose Schilderung eines aktuellen Bühnengeschehens dürfte doch der Blick auf “verbotene Orte” wie Orchestergraben, Bühnenbild oder Backstage sein. Was passiert hier während einer Vorführung oder Probe? Lesenswerter als die unscharfe Wiedergabe von Textpassagen ist sicher eine vertiefende Information zur Inszenierung, womöglich ein Kurzinterview mit dem Dramaturgen oder Regisseur? Immer wieder geht es um spannende Geschichten, die das Hauptgeschehen flankieren, begleiten, vertiefen. Und sicher auch um die emotionale Bewertung durch das Publikum. Trotzdem: Bühnenkunst ist sinnlich, der Tweetup eher nicht. Dafür ist er ein Gemeinschaftserlebnis und erweitert bzw. spiegelt das “Erlebnis” Theater in den digitalen Raum. Er kann die Institution Theater und die Abläufe im Haus und auf der Bühne transparenter machen oder eigene Geschichten neben der Inszenierung erzählen. Und er schafft natürlich einen Social Impact für Inszenierung, Haus und Marke. In jedem Fall würde ich mir aber wünschen, daß der Tweetup nicht nur spontane Emotionen und Kommentare, sondern auch Inhalte vermittelt. Idealerweise in Wort, Bild und womöglich sogar Ton. Diese könnten, wie ein Programmheft,  gut vorbereitet, sogar dramaturgisch kalkuliert und ausgearbeitet sein. Auch wenn der Tweetup selbst garantiert einen Mehrwert für die digitalen Teilnehmer bringt, das Programmheft diagolisiert, die Crowd einbezieht und sicher spannende Kontextualisierungen schafft, – eine Konkurrenz zum echten Theatererlebnis wird er nie sein. Aber das will er auch gar nicht.

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Comments (3)

  1. Eine schöne Einschätzung, die ich absolut teile. Tweetups ersetzen Kulturbesuche nicht, sondern ergänzen sie, bereichern sie mit Erfahrungen und Kontakten, die ohne dies nicht möglich gewesen wären. Meine Erfahrungen vom Tweetup im Theater Heilbronn hier: http://www.liveqr.de/blog/2013/03/22/tweetup-bericht-zwitschern-aus-dem-theatersaal/

  2. Spannend zu lesen!!
    Und wir sind geschmeichelt, das wir es mit unseren Kultur Tweetup in die Kategorie “Opernhäuser” geschafft haben ;)! Wir sind ja eigenlich ein Schauspieltheater, mit Gastspiel im Bereich Tanz und Oper sowie einer jährlich stattfindenen Musikkooperation (im Jahr 2013 war es “Minsk” (UA)) mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn.

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